
Foto Sabine Eggersglüß
Die letzte Begleitung
In den letzten Wochen habe ich mich mit einem Thema auseinandersetzen müssen, um das ich mich bisher gedrückt habe, dem Tod.
Der Tod gehört zum Leben dazu, auch wenn ich das gerne verdränge und am liebsten hätte, das vieles so bleibt wie bisher.
Die frühen Verluste meiner Großeltern und meines Lieblingsonkels im Alter unter 8 Jahren haben mich da sehr geprägt. Das hat dazu geführt, daß ich mir vorgemacht habe, wenn ich gut aufpasse, kann ich kontrollieren und mitbestimmen. Ich bin also nicht der Situation ausgeliefert.
(Unter anderem durch solche Erlebnisse kann sich z.B. ein Kontroll-Muster im Leben etablieren.)
Ich habe versucht auszublenden, daß der Tod immer ein stiller Begleiter ist und neben uns läuft, um uns daran zu erinnern, daß jeder Moment unseres Lebens eine Bedeutung hat.
Manchmal übersieht man im alltäglichen Trubel, die kleinen Veränderungen und Anzeichen, daß eine neue Stufe erreicht ist, z.B. bei der Demenz oder dem letzten Lebensabschnitt.
Gebe ich jedem Moment die Aufmerksamkeit, die er verdient?
Höre ich auf meine innere Stimme, mein Bauchgefühl?
Im Fall meines 94-jährigen Schwiegervaters waren es zunehmende gesundheitliche Probleme. Zum Glück gab es Absprachen, was ist noch erwünscht, was darf auf keinen Fall gemacht werden. Auch eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht waren vorhanden.
Wir haben gute Gespräche mit dem Personal im Pflegeheim geführt, konnten uns in seinen letzten Stunden von ihm verabschieden und ihm die Angst nehmen, zu sterben.
Ich bin so dankbar, dies erlebt zu haben. Rückblickend hat dieser Abschiedsprozeß schon vor 3 Wochen begonnen, bei einem Krankenhausaufenthalt. Als er uns noch erkannt, angeschaut und angesprochen hat. Die Hände meines Mannes kaum loslassen mochte. Wohlwollendes Nicken und direktes Anschauen, ohne Worte. Von Seele zu Seele.
Ich hatte das Gefühl, das ist ganz anders als alles, was ich mit ihm bisher erlebt habe. Wir haben die Familie informiert, um letzte Besuche zu ermöglichen.
Friedlich eingeschlafen ist er dann 2 Wochen später im Pflegeheim, in der für ihn bekannten Umgebung.
Für mich war das der erste Sterbeprozeß, den ich so erlebt habe und das war gut, ich habe meinen Frieden damit gefunden. Jetzt habe ich eine Vorstellung davon, wie sich das anfühlen und sein kann.
Ich habe gespürt, wie hilfreich es für ihn war, daß seine Hände unsere halten konnten, wenn sie wollten. Unsere Worte ihn erreicht haben, auch wenn die Augen fast ganz geschlossen waren.
Mir kam der Impuls, die Ahnen einzuladen, ihn zu unterstützen, die sofort erschienen sind. Da bekomme ich jetzt noch einen Schauer, wenn ich daran denke. Da wußte ich, ich habe mich nicht getäuscht, dies sind die letzten Stunden.
Es hat sich im Raum eine mir bis dahin unbekannte Stille und ein Frieden ausgebreitet, die ich nicht in Worte fassen kann. Für mich ist das ein: es ist alles gut so wie es ist Gefühl.
Was ist dein letzter Wille?
Ich möchte dir ans Herz legen, dir Gedanken zu machen, was möchtest du? Was ist dein Wille? Was ist dir wichtig?
Auch wenn man in stressigen Situationen doch noch reagieren und handeln kann, ist es so viel einfacher, wenn es einen Leitfaden oder eine Vorstellung davon gibt, was ist der letzte Wunsch dieser Person?
Wenn in Gesprächen geklärt wurde, wie soll die Beisetzung aussehen? Es gibt inzwischen so viele verschiedene Möglichkeiten, die in dem Moment schlichtweg überfordern können, wenn es keinerlei Anhaltspunkte gibt, was ist der letzte Wille?
Welche Musik, wie soll die Gedenkfeier sein? Blumen, Gespräche mit Bestatter und Pastor, Anzeigentext, und so vieles mehr. In unserem Fall war das innerhalb der ersten beiden Tage zu klären und das Zimmer im Heim zu räumen. Da stand der eigene Alltag kopf.
Es ist vielleicht wohlwollend gemeint, das dürfen die Kinder entscheiden, aber die sind dann in ihrem eigenen Prozeß, haben so vieles andere zu klären, zu bedenken und erledigen, und sind froh über den letzten Willen.
Ich habe für mich beschlossen, aufzuschreiben, was mir wichtig ist und gefällt, um es meiner Familie in solch einer emotionalen Situation zu erleichtern.
Einen Ordner mit bestimmten Unterlagen jetzt schon anzulegen, damit diese griffbereit sind und nicht erst noch angefordert werden müssen.
Ich weiß nicht, ob es für dich auch wie ein Tabu Thema ist, das man gerne vor sich herschiebt.
Vielleicht konnte ich mit meinen Zeilen deinen Blickwinkel auf das Thema verändern.
Schreibe mir gerne deine Erfahrung und den Umgang mit diesem Thema.
Der Besuch eines Letzte Hilfe Kurses– Menschen am Lebensende begleiten (bei der VHS), war für uns auch eine große Unterstützung.
Wenn du mehr wissen oder einen Termin vereinbaren möchtest, dann rufe mich an unter
Telefon: +49 5161 5039600.
Mehr über meine Angebote in diesem Monat erfahren
Herzliche Grüße aus Bomlitz
Deine Sabine Eggersglüß
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